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zurück Seite drucken    unterhaus  13.03.2010

Jockel Tschiersch


Pebertät mit 50

Furioses One-Man-Kabarett
Deutscher Kleinkunstpreis 1986 (mit Ottfried Fischer)







Regie: Gabi Rothmüller

Zusammen mit dem Ottfried Fischer wurde er 1986 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und 1985 mit dem "Salzburger Stier" ausgezeichnet. Hartnäckigen TV-Konsumenten ist sein Gesicht wohl bekannt, oder gerade nicht, weil er vom Bergbauern über den marokkanischen Taxifahrer bis zum einarmigen schlesischen Wachmann so gut wie alles spielt. Und dann ist Jockel Tschiersch noch Kampfplauderer, Kabarettist, Hauptstadtneurotiker, (Film)Schauspieler, Autor – und natürlich ein genial-witziger Selbstdarsteller auf der Bühne.
Beim Besuch einer äußerst sympathischen Urologin kommt's raus: der 50jährige Mann ist mitten in der 2. Pubertät. Schöner Mist! Just wie ein Jüngling versucht nun der Held fifty plus, das Leben wieder zu verstehen: die toughen Frauen, die alltäglichen Probleme der Patchwork-Papas im öffentlichen Nahbereichs-Spielplatz, die latente Gewalt im Supermarkt oder die Klärung der Frage, wie straff die Haut und wie groß das Kinn sein muß, um mit 50 noch mal durchzustarten.
Laß krachen, Jockel. Dieser unbändige Maniac-Monologisierer sprengt die Bühne, jammert, winselt, heult, brüllt, flüstert, spielt diszipliniert zügellos mindestens 30 Personen in 12 verschiedenen Dialekten und 11 Geistes- und Körperhaltungen, zeigt Szenen aus seinem Schundroman "Männer, Müll und ihre Entsorgung" wie die vom Schnauzer-Bernd und der Östrogen-Elvira. Oder läßt Hitler im Billig-Discounter auf sein persönliches Stalingrad treffen. Mitten aus dem modernen Leben. Jugendwahn älterer Semester und ihre Midlife-Debilität inbegriffen. Sensationell, wie Derwisch Tschiersch virtuos seine eigenen Altersgenossen veräppelt, lustvoll bissige Seitenhiebe verteilt, der Lifestyle-Party-Fun-Fraktion kräftig die Fresse poliert – mit einer Phantasie, die das Absurdeste zum Allerwahrscheinlichsten macht.
2 Stunden lachtränentreibende, pointenprasselnde Komik.

Foto: Julia Terjung

www.jockel-tschiersch.de




Der Veranstaltungsbeginn (außer Kinder- und Jugendprogramm sowie einigen Sonderveranstaltungen) ist immer um 20:00 Uhr.